Von Spielen und Falschspielern


Das Mittelalter kannte nicht nur edle Ritterspiele, sondern auch Karten -, Würfel - und Glücksspiele für das gemeine Volk. Obwohl diese Spiele von der Kirche immer wieder als sündhaft angesehen wurden, fanden sich doch zahlreiche Geistliche, die ebenfalls diesen Spieltrieben nachgingen.

Das Spiel im Mittelalter besaß weitaus mehr Dimensionen als heute:
- es diente als Mittel der Gemeinschaftssicherung
- es diente zur Abgrenzung für den Adel, für Zünfte und Gilden
- es war Bestandteil der Rechtsprechung (Lose, Zweikämpfe)
- es verband Kinder und Erwachsene
- es war Freizeit - und Sportbeschäftigung

Glücksspiele verbanden alle Altersgruppen und alle Schichten. Die Obrigkeit versuchte immer wieder es zu verbieten, meist ohne Erfolg. Würfelspiele galten als Gefahr für das Seelenheil, mit Würfeln spielende Frauen als frivol. Oftmals wurde den Spielern, vor allem den in Wirtshäusern Spielenden, Spielsucht, Geldgier und Trunkenheit unterstellt.
Der kirchliche Festtagskalender legte die Zeiten fest, an denen man sich mit allerler Kurzweil, wie dem Spiel, die Zeit vertreiben konnte (diese Zeiten betrafen nicht Kinder).


Spielbanken

Da die Kirchenobrigkeit wenig Erfolg mit den Spielverboten hatte, wollte sie zumindest das Spiel kontrollieren und nur auf bestimmte Plätze richten. So verpachteten die Städte Spielhäuser, Spielbanken und Spielstuben an Privatpersonen. Im Zuge des Spielverbots im ausgehenden Mittelalter wurden die städtischen Spielhäuser nach und nach wieder geschlossen.


Falschspieler

Der Daumen wurde abgetrennt, die Hand auf den Tisch genagelt, der Delinquent mit Ruten aus der Stadt getrieben. Kurzen Prozess machte das Mittelalter mit dem Falschspieler. Sehr beliebt war auch der Schandmantel. Dieser Schandmantel, auch Schandtonne und Spanischer Mantel genannt, war ein Strafinstrument ab dem 13. Jahrhundert. Die aus Holz gefertigten Mäntel, die mitunter innen mit Blech ausgelegt waren, wurden zum Vollzug von Ehrenstrafen, wie dem Falschspiel, eingesetzt. Wer ihn umgelegt bekam, durfte beschimpft, geohrfeigt und mit Unrat beworfen werden. Die Schandtonne enthielt teilweise am unteren Rand sowie an der Halsöffnung Gewichte, um die Pein des Delinquenten zu erhöhen, was jedoch nicht tödlich war.


Kartenspiele

Wo und wann das Kartenspiel entstanden ist, vermag niemand zu sagen. Man vermutet, dass zur Zeit der Kreuzzüge, also vor mehr als 700 Jahren, die Kartenspiele erstmals aus dem Fernen Osten auf europäischem Boden Einzug hielten. Von Persien herkommend erreichten sie Spanien und Venedig. Bald verdrängten sie die ältesten Brett- und Würfelspiele, sowohl auf den Ritterburgen als auch im Feldlager und in den Dorfschenken. Bekannte mittelalterliche Kartenspiele sind Karnöffel und Naibbe.



 

Puff - Ein Würfelspiel

Dieses Spiel, im Frühmittelalter auch Wurfzabel genannt, ist nichts anderes als das heutige Backgammon bzw. TricTrac, ein orientalisches Spiel, dass durch die Kreuzzüge nach Europa gelangte. Geistlichen war dieses Spiel verboten.
Die Würfel bestanden aus Knochen und Geweih. Er hatte bis zum 11. Jh. eine kubische Form und danach eine längliche Form.

 


Quellen:
-  Spiele der Menschheit von Ulrich Schädler
-  Von allerley Spiel und Kurzweyl von Frank Meier


 


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