Der Toilettengang

Menschen müssen essen und trinken. Aber wo wurden sie im Mittelalter wieder los, was der Magen nicht verdaute? Wer sich alte Burgen und Schlösser ansieht, staunt meistens über die prächtigen Bauten, die herrlichen Ausblicke, die wunderschönen Landschaften ringsherum. Aber wie prächtig waren die hygienischen Verhältnisse, die Toiletten?

Von der Freiluftentsorgung bis zum Abtritterker

Die einfachste Form bestand darin, seine Notdurft bei Wind und Wetter im Freien zu verrichten. Toiletten gab es in Form von Nischen und Erkern ( Abtritterker). Oft führten einfach Bodenöffnungen ins Freie. Im Laufe der Zeit zählte die Existenz eines Abortes zu den Kriterien für die Bewohnbarkeit eines Gebäudes. Häufig ist an der Außenseite des Gebäudes, in Form eines Erkers, ein vorkrakendes " Plumpsklo " zu finden. Bei mittelalterlich modernen Gebäuden wurden die Fäkalien in einem geschlossenen, meist holzgefütterten Schacht, in eine Grube am Mauerfluß abgeleitet.

          Abtritterker

Hygiene nach der Notdurft

Toilettenpapier gab es im Mittelalter in unseren Breitengraden noch nicht. Zum Reinigen wurden Moos, Farne u.ä. benutzt. Vornehm für das einfache Volk war es schon, diese Materialien zu trocknen und in rechteckige Blattformen zu schneiden. Die Reichen gönnten sich eingeweichte Lappen und Schafswolle.
( Toilettenpapier wurde zuerst im 14. Jahrhundert in China produziert. Das erste Papier, das in einer Fabrik speziell als Toilettenpapier hergestellt wurde, wurde von Joseph Gayetty 1857 in den USA produziert und bestand aus einzelnen Blättern in einer Schachtel und war mit Aloe-Extrakten getränkt ).

  Das Schaf - Lieferant für Toilettenpapier

Seife zum Händewaschen ( und den Rest des Körpers ) war bereits seit der Antike bekannt. Im Mittelalter verfeinerten die europäischen Seifensieder ihre Methoden noch weiter. Es entstanden große Zentren der Seifensiederzunft, so u. a. in Prag, Wien und Augsburg, deren meist parfümierte Luxusseifen zunächst nur dem reichen Adel vorbehalten waren. Erst allmählich entwickelte sich eine Badekultur mit öffentlichen Badehäusern, die auch dem Bürgertum und der ärmeren Bevölkerung zugänglich waren. Durch Epidemien wie Pest, massenhafte Verbreitung von Syphilis und anderen Krankheiten fanden die Badewonnen ein jähes Ende.
Ob es Sitte war, sich nach der Notdurft die Hände zu waschen, darüber konnte ich bisher leider nichts finden.

     öffentliches Badehaus

 

Quellen:
- Daniel Furrer: Wasserthron und Donnerbalken. Eine kleine Kulturgeschichte des stillen Örtchens. Primus, Darmstadt 2004

 

 

 

 


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