Märchenstunde im Mittelalter


Wir alle sind wohl mit Märchen groß geworden. Wer kennt nicht Grimms Märchen, Wilhelm Hauff oder Hans Christian Andersen. Aber wie war es im Mittelalter, was gab es da für Märchen, die die Menschen sich untereinander und ihren Kindern erzählten.

Geschichtliche Entwicklung der Märchen im MA:


Märchen sind schon aus der Antike bekannt. Im Mittelalter kam es zu neuer Blüte der Volksmärchen. Das Mittelalter war einerseits stark durch die christliche Religion geprägt, die das öffentliche Leben prägte, andererseits verlief das Denken häufig in Symbolen, war magisch, der Aberglauben war groß, und so konnte der Zauber, das Mysthische, das Irrationale einen breiten Raum in der Welt der Menschen einnehmen.
Im frühen Mittelalter waren es noch die Märchen aus der Antike mit ihren Texten, Motiven und Themen die maßgebend waren. Diese antiken Märchen wurden oft in Klostern hinter verschlossenen Türen mit dem christlichen Gedankengut versöhnt. So waren auch die ersten schriftlich festgehaltenen mittelalterlichen Märchen in Latein. Aber schon bald nach der christlichen Bereinigung antiker Märchen mischte sich viel Fremdes Gut ein, vor allem jüdisches, byzanthisches, arabisches und indisches Erzählgut (bedingt durch Seefahrt, Eroberungskriege etc.). Aber auch irische und keltische Geschichten prägten die mittelalterlichen Märchen.

 
Märchen und Kirche im MA:


Die Kirche nutzte die Beliebtheit der Märchen bei ihren Gläubigen aus und versuchte, die Märchen für ihre Zwecke einzuspannen. So suchten sich die Geistlichen für ihre Predigten Märchen aus, und umgaben sie mit einer christlichen Moral.
Altheidnische Dämonenmärchen wurden so christlich bereinigt, dass nach christlicher Lehre die Dämonen, Geister, Kobolde, Feen etc.  verdrängt und ausgetrieben wurden. Diese Märchen spiegeln den Kampf des Christentums gegen das heidnische Substrat wider.
Bei den legendenartigen Märchen bekommt die göttliche Strafe und Gottes Barmherzigkeit eine zentrale Bedeutung.In diesen Märchen geht es oft um Wünsche, die von Engeln oder dem Herrgott selbst erfüllt werden, und um törrichte Wünsche, die von Selbigen bestraft werde.

 

 


Buchtipps:


Wer mehr über mittelalterliche Märchen wissen möchte oder gar selbst mittelalterliche Märchen lesen möchte, dem empfehle ich folgende Bücher:


- Märchen des Mittelalters von Erich Ackermann - Der Band versammelt die reizvollsten und typischsten Beispiele mittelalterlicher Märchenkunst: - Die sieben Schwäne - Der Räuber und seine Söhne - Der listige Ritter - Die Kraniche - Der Habichtsritter - Der Riese Hymir - Lanval - u.v.a., gebundener fester Einband 4,95 Euro, sehr lesenswert hier auch das ausgiebige Vorwort von Ackermann zur Geschichte und Ursprung von Märchen.


- Gesta Romanorum - Märchen, Sagen und Legenden des Mittelalters herausgegeben von Hermann Hesse. Das Gesta Romanorum ist das älteste Märchen- und Legendenbuch des christlichen Mittelalters - Der klare Bach - Das reine Hemd - Der kluge und der dumme Ritter - u.v.a., gebundener fester Einband 6,95 Euro.

               
 


Quellen:
- Märchen des Mittelalters von Erich Ackermann




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