Der Furz - oder
die Seite, die ich mir nicht verkneifen konnte

Die Einen bringt er zum Lachen, die Anderen rümpfen angeekelt die Nase, kleine Kinder lassen ihn einfach fahren, später hören diese Kinder Moralpredigten: der Furz ein Tabuthema - aber nicht im Mittelalter.

Es gehörte einmal zum guten Ton, nach dem Essen die Verdauungslüfte nach unten und oben von sich zu geben. Belegt wird dies vor allem durch den allseits bekannten Spruch - "Warum rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmeckt", der der Lutherzeit entsprang.
Bei den Tischzuchten allerdings findet man nichts über den Furz. Er wurde da einfach ignoriert und offenbar als natürliche Begleiterscheinung als gegeben hingenommen. Erst um 1500 taucht in einer Tischzucht der erste Hinweis auf, dass man es als unangenehm empfindet, wenn jemand einen fahren ließ - " ruck nit hin und her auff der panck, das du nit machest ein gestanck".
Grund des nun als unangenehm empfundenen Furzes war die zunehmend starke Verlagerung der Feste und Trinkgelage von aussen nach innen ab ca 1450. Statt großer Lärmpegel, Feierlaune und Frohsinn wurde nun eine vornehme Stille, eine zeremonielle Ruhe in geschlossenen Räumen modern. Der Furz war nun nicht nur stärker zu riechen, sondern auch deutlicher zu hören und wurde, ebenso wie das Schmatzen, verpöhnt.

Ab dem 16. Jahrhundert dann, gibt es sogar Verordnungen die das Furzen mit Strafe belegen.